Vereinsgeschichte
100 Jahre Geschichte des Vereins
Der Anfang
Der Aufsatz im Heft 115 über die Gründung des Lauenburger Bezirksvereins im Jahre 1926 berichtet auch über die Protokolle der ersten zwei Jahreshauptversammlungen von 1928 und 1929, die von dem 1. Vorsitzenden, Herrn Theodor Götze, geschrieben waren. Das „Land an der Elbe“ hieß die monatliche Beilage zur Allgemeinen Lauenburgischen Landeszeitung von 1928 bis 1941.
Sie wurde heraus gegeben unter der verantwortlichen Schriftleitung von Ernst Freystatzky, einem Gründungsmitglied unserer Bezirksgruppe. Sie wurde ab 1938 auch der „Geesthachter Zeitung“ beigefügt. Hier gibt es eine Chronik, die die stattgefundenen Veranstaltungen des vorherigen Monats auflistet. Dort findet sich die Angabe über die 1928 und 1929 stattgefundenen Jahreshauptversammlungen.
Die 1930er Jahre
1930 wird von drei Veranstaltungen berichtet: einer Mitgliederversammlung am 7. März mit einem Vortrag von Herrn Fr. Nissen über das Herbarium Claudius, von der Jahreshauptversammlung am 27. August und von dem Ausflug am 7. September nach Aumühle und Wohltorf, um die beiden neuen Kirchen (Fotos der Innenansichten) zu besichtigen. Danach tauchen keine Angaben über Veranstaltungen des Ortsvereins mehr auf. Dagegen wird bis April 1936 ausführlich von den Stiftungen für das 1927 eröffnete Heimatmuseum berichtet. Am 20. Oktober 1930 hielt Herr Götze im Verein für Hamburgische Geschichte einen Vortrag über Schloss und Stadt Lauenburg im Wandel der Zeiten.
Fotos um 1960: oben: Heilig-Geist-Kirche in Wohltorf, unten: Bismarck-Gedächtnis-Kirche in Aumühle. Quelle: Sammlung Probst i.R. Dr. Hermann Augustin
Am 7. Juli 1937 wird Götze unter der neuen Leitung des Heimatbundes auf Kreisebene mit in die Fachgruppe für Heimatforschung gewählt. Aus beiden Nachrichten merkt man, wie sehr Herr Götze geschätzt war.
Im Beitrag „Hundert Jahre Geschichtsverein“, Sonderband 20 der Schriftenreihe „Lauenburgische Heimat“, steht auf Seite 33, dass Landesarchivar Schellbach als Vorsitzender des Kreisvereins im November 1937 zurücktrat und Wilhelm Schwarz, Lauenburg, die Leitung übernahm. Ihm zur Seite stand Ludwig Schreyer, Lauenburg, als Geschäftsführer. Schwarz wird als Oberzollsekretär i. R. im Bericht unserer Gründungsurkunde von 1926 genannt. Ludwig Schreyer war in Lauenburg Bankbeamter.
Die wenigen Angaben in der „Chronik“ über Veranstaltungen der Ortsgruppe erlauben den Schluss, dass man ab 1931 keine Versammlungen mehr machte und die Mitglieder zufrieden waren, am von Herrn Götze geleiteten Museum mitzuarbeiten und die Zeitschrift „Lauenburgische Heimat“ zu erhalten.
Statt Vorträge im Verein zu hören, las man die sehr guten heimatgeschichtlichen Aufsätze im „Land an der Elbe“, die oft von Herrn Götze, Pastor Seeler und Wilhelm Hadeler geschrieben waren. Im Nachruf auf Theodor Götze erwähnt Dr. Langenheim nur seine Arbeit für das Museum und in der Heimatforschung, nicht aber seine Arbeit als Vorsitzender des Bezirksvereins. Erst im ersten Schriftstück der vorhandenen Akten spricht er Helmut Kiehn gegenüber davon, dass es schwer ist, die Nachfolge eines Theodor Götze anzutreten, der von 1926 bis 1954 Vorsitzender des Ortsvereins war.
Neubeginn in den 1950er Jahren
Nach dem Kriege begann der Verein seine Arbeit mit 16 Mitgliedern. Fräulein Elisabeth Lohmann, die aus einer alten Lauenburger Familie stammte und damals in der Grünstraße wohnte, war die Kassenwartin. Sie warb eifrig und erreichte es, dass 1957 der Verein 39 Mitglieder hatte. Den Vorsitz nach Theodor Götzes Tod führte kommissarisch Gertrud Trabert. Dieser wurde aber die Arbeit nach zweieinhalb Jahren zu viel. Nach vergeblichen Versuchen von dem Kreisarchivar und Schriftführer des Gesamtvereins, Dr. Langenheim, gelang es Fräulein Lohmann, Helmut Kiehn doch zu überreden, den Vorsitz des Bezirksvereins zu übernehmen. Er wurde dann auf der Versammlung am 25. November 1957 gewählt und hat den Verein bis zu seinem plötzlichen Tod im Januar I977 fast 20 Jahre lang geführt. Herr Kiehn war gebürtiger Lauenburger. Er war Schriftführer im Familienverband Kiehn und durch diese genealogische Arbeit recht vertraut mit der Heimatgeschichte. Als 2. Vorsitzender wurde der Lehrer Walter Westphal gewählt. Fräulein Lohmann blieb Kassenwartin und enge Mitarbeiterin von Herrn Kiehn.
Die Versammlung am 25. November 1957 war zeitlich vor einen Vortrag in der Volkshochschule gelegt, den Dr. Langenheim im Rahmen einer Vortragsreihe „Die Geschichte unserer engeren Heimat“ hielt. Herr Kiehn arbeitete in den ersten Jahren eng mit der Volkshochschule (VHS) und dem Bund der Vertriebenen (BdV) zusammen. Der kleine Verein hätte allein auch nur selten einen Redner bezahlen können, denn 1958 betrug der Jahresbeitrag sechs Mark für Einzelmitglieder und zehn Mark für körperschaftliche Mitglieder, wie Schulen, Gemeinden und so weiter.
Am 4. November 1960 gab Herr Kiehn bei der ersten Jahreshauptversammlung einen Bericht über die drei Jahre Vereinsarbeit unter seiner Leitung. Die Mitgliederzahl war inzwischen auf 61 angewachsen. Er klagte darüber, dass die Lehrerschaft wenig Interesse an der Arbeit im Heimatbund zeigt. Nach der Vortragsreihe von Dr. Langenheim brachte der Verein zusammen mit der Volkshochschule zwei Vorträge, einen über die Elbe und einen wenig besuchten Vortrag über Südafrika mit seinen Rassenproblemen.
Im Sommer 1958 machte man eine Wanderung vom Totenhaus in Grünhof (Foto oben) zum Glüsing, wobei Apotheker Feige die besonderen Pflanzen im Elbtal zeigte. 1959 wanderte man von Lüdershausen aus an der Neetze entlang durch das Landschaftsschutzgebiet der Weckenstedt und durch die Wiesen nach Echem, zum Teil von dem Mitglied Altenteiler Sponagel aus Echem geführt. Die Urtümlichkeit des Waldes Weckenstedt beeindruckt sehr.
Herr Kiehn berichtete auch von den jährlich gemachten Fahrten des Gesamtvereins. 1958 ging sie zum Pumpspeicherwerk und zum Staudamm in Geesthacht, anschließend in die Vierlande zur Altengammer Kirche und zum Freilichtmuseum Rieckhaus in Curslack. 1959 fuhr man mit dem Schienenbus nach Celle, 1960 mit dem Schienenbus nach Otterndorf und Cuxhaven, und 1960 plante man eine Fahrt nach Schleswig und Haithabu (Foto unten), die auch 1961 durchgeführt wurde.
Foto oben: Geesthacht-Grünhof, bronzezeitl. Totenhaus, Stein;
unten: Schleswig, Haithabu, Wikingerhäuser, Fischfang-Geräte
unten: Schleswig, Haithabu, Wikingerhäuser, Fischfang-Geräte
MM
Mit voller Kraft durch die 1960er Jahre
Im September 1960 feierte die Stadt Lauenburg ihr 700-jähriges Bestehen. Dipl.-Ing. Wilhelm Hadeler, der zu der Zeit als Oberregierungsbaurat an der Marineschule in Flensburg-Mürwik arbeitete und bei seiner Heimatforschung eng mit dem Bezirksverein verbunden war, schrieb dazu die Festschrift. Der Vorstand des Bezirksvereins machte im Kulturausschuss Vorschläge für die Ausgestaltung der Festwoche und veranstaltete mit dem BdV zusammen einen Heimatabend. Dieser kam in der Bevölkerung gut an und führte Altlauenburger und Neubürger zusammen. Höhepunkt der Festwoche war nach Herrn Kiehns Meinung der Umzug der Lauenburger Schulkinder, die in Gruppen versuchten, etwas aus der Geschichte der Stadt darzustellen.
Die Stadt begann im Jubiläumsjahr, das von Flüchtlingen bewohnt gewesene Museum zu renovieren und stellte Dr. Nis Nissen an einigen Tagen der Woche dafür an, die Sammlungen zu überholen und ab 1961 die Elbschifffahrtsabteilung zu erweitern und auszugestalten. Mitglieder unseres Vereins waren ihm dabei behilflich, besonders auch Herr Kiehn selbst, der ihm den Modellbauer Lichte vermittelte. Dies kam auch dem Verein zugute, indem Dr. Nissen im Verein Vorträge zur Lauenburger Stadtgeschichte hielt. Zum Beispiel sprach er auf der Jahreshauptversammlung 1960 zum Thema „Das Lauenburger Schloss im 17. Jahrhundert“.
In den ersten vier Monaten des Jahres 1962 folgten drei weitere Vorträge. Der Vortrag „Schiffe und Schifffahrt auf der Stecknitz“ wurde trotz der Schipperhöge sehr gut besucht und fand in der Presse starke Beachtung. Im November 1962 hielt er noch einen Vortrag und 1963 drei weitere. Auch 1964 fanden noch Vorträge von Dr. Nissen statt. Dann aber verließ er Lauenburg und übernahm im Oktober die Leitung des Museums in Meldorf. Man spürt aus dem Schriftverkehr, wie gut die Zusammenarbeit von Herrn Kiehn und Dr. Nissen war. Vieles aber wurde sicher mündlich erledigt, wenn Dr. Nissen auf dem Weg zum Bahnhof im Büro der Hitzler-Werft eben mal bei Herrn Kiehn vorbei schaute. Diese Zeit der Dr. Nissen-Vorträge war eine Hoch-Zeit in der Vereinsarbeit.
Ende 1961 gab Fräulein Lohmann aus Gesundheitsgründen die Kassenführung ab. Der gerade pensionierte Lehrer aus Krüzen, Heinrich Hoop, wurde ihr Nachfolger. Der Beitrag stieg von sechs auf neun Mark für Einzelmitglieder und für körperschaftliche Mitglieder von zehn auf fünfzehn Mark. Der Verein war auf 67 Mitglieder angewachsen. Durch Herrn Hoops Werbung waren es 1963 schon 76 Mitglieder, 1966 sogar 89 Mitglieder.
Man nahm an den vom Kreis organisierten Fahrten teil. 1962 fuhr man kurz vor der Fertigstellung der Fehmarn-Sund-Brücke nach Fehmarn und setzte noch mit der alten Fähre über. 1963 fuhr man nach Hitzacker, zum Höhbeck, zu einem Rundlingsdorf im Wendland und nach Lüchow. Die Bezirksgruppe selbst beguckte unter Herrn Nissens Leitung Ratzeburg und die schon halb verwachsenen Ausgrabungen in Farchau auf der Marienhöhe. Ein heimatgeschichtlich wichtiges Ereignis vermerkte Herr Kiehn 1961 noch: Das Timmermannsche Haus nahe dem Schloss - wahrscheinlich ist es das alte Torhaus - wurde verkauft und sollte abgerissen werden.
1964, 1966, 1967 und 1968 unternahm die Bezirksgruppe eigene Ausfahrten: zur Oldenburg und nach Wotersen, zu einer Wanderung durch das Hellbachtal, man machte eine Wanderung durch das Salemer Moor und zur Kirche in Mustin (Foto unten Mitte), und man fuhr zum Kiekeberg und nach Wilhelmsburg. Auch an den Fahrten des Gesamtvereins nahm man teil. Diese führten 1964 mit Bahn und Schiff nach Kappeln (Foto der Windmühle) und Maasholm; 1965 nach Bornhöved, Trappenkamp und nach Neumünster zum Industriemuseum und dem Heimattierpark; 1966 in die Vierlande und zum Bergedorfer Schloss; 1967 nach Meldorf und Albersdorf und 1968 nach Soltau und Bispingen wegen der vor- und frühgeschichtlichen Funde auf den Truppenübungsplätzen. Auch Vorträge konnte Herr Kiehn anbieten. In jedem Jahr veranstaltete man zusammen mit der Volkshochschule einen plattdeutschen Abend mit Henry Kelling, Hamburg. Herr Werner Urban sprach über Ausgrabungen aus der Bronzezeit beim Bau der Realschule in Schwarzenbek, und Herr Schröder, Lauenburg, berichtete über die Fürstengruft in der Lauenburger Kirche.
Auch Jahreshauptversammlungen des Gesamtvereins im „Grünen Jäger“ und 1968 in Lauenburg selbst bereichern das Programm mit ihren Vorträgen. 1967 stemmte sich Herr Kiehn gegen die zentrale Zustellung der Hefte und der Einladungen und gegen den Beitragseinzug vom Gesamtverband und setzte sich schließlich damit durch. Sein Argument: Die Hefte werden in Lauenburg gedruckt, Mitglieder tragen sie und die Einladungen aus. Es wird Geld gespart, und mancher persönliche Kontakt knüpft sich dabei. Auch der Beitragseinzug bei den 86 Mitgliedern macht keine Mühe.
1969 wurde der Beitrag auf 12 Mark erhöht, körperschaftliche Mitglieder zahlten 18 Mark Jahresbeitrag. Die Stadt fragte nach Namen von bedeutenden Lauenburgern, weil man Straßen im neuen Siedlungsgebiet Stadtmoor III nach ihnen benennen wollte.
Herr Kiehn machte Vorschläge, außerdem setzte er sich für die Erhaltung des Namens „Alte Wache“ im Zentrum der Stadt ein, der an die hannoversche Zeit erinnert. Auch andere plädierten für diesen Namen, und so bleibt er erhalten. Als Herr Hadeler seine Vorträge über die Oberstadt - Babenbrügg - wegen Krankheit absagte, zeigte man Dias vom alten Lauenburg und von der Murjahn-Ausstellung im Museum. Murjahn war ein künstlerisch begabter Bäcker, der in seiner Freizeit Bilder malte und Figuren von Lauenburger Originalen aus Ton herstellte, die heute noch im Museum stehen. Dr. Langenheim hatte sein Amt als Kreisarchivar an Dr. Kaack abgegeben. So fuhr man mit dem Gesamtverein in dessen Heimatstadt Rendsburg und ließ sich dort von ihm führen.
Neue Köpfe in den 1970er Jahren
Von 1969 an machte die Bezirksgruppe keine eigenen Ausfahrten mehr, aber die Angebote vom Gesamtverein waren immer attraktiv. 1970 fuhr man zum Helms-Museum und zum Kiekeberg; 1971 zum neuen Eidersperrwerk; 1972 nach Eutin, Plön, Lütjenburg und Altenkrempe; 1973 zum Museumsdorf Cloppenburg; 1974 zum Luftwaffenmuseum Moorrege bei Uetersen; 1975 zum großen Schleswig-Holstein-Treffen des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes zum Museumsdorf Kiel-Molfsee und 1976 nach Bremerhaven zum Besuch des Museumsschiffes. 1971 war die Jahreshauptversammlung des Gesamtvereins in Geesthacht und 1975 in Lauenburg mit einem Vortrag von Herrn Hadeler über das Ende des Zweiten Weltkrieges in Lauenburg, und 1976 war sie in Schwarzenbek. Neben den vom Gesamtverein ausgehenden Aktivitäten brachte der Bezirksverein jedes Jahr einen plattdeutschen Abend und in der Zeitspanne von 1970 bis 1976 sechs Vorträge, von denen drei von Herrn Hadeler gehalten wurden.
1976 wurde der Beitrag auf 24 Mark erhöht, und es wurde nicht mehr zwischen Einzelmitgliedern und körperschaftlichen unterschieden. Am 9. 1. 77 starb Helmut Kiehn ganz plötzlich, fast 70 Jahre alt. Er hatte den Verein fast 20 Jahre geführt. Im Heft 88 der „Lauenburgischen Heimat“ findet man seinen Nachruf, der knapp und liebevoll seine Leistungen für die Allgemeinheit hervorhebt. - Die Jahresfahrten des Gesamtvereins und die Jahreshauptversammlungen im Südkreis mit ihren guten Vorträgen haben die Arbeit des kleinen Lauenburger Vereins sehr belebt.
Mit Jahresbeginn 1976 hatte Georg Timmermann die Kasse von Herrn Hoop übernommen, der sie 14 Jahre geführt hatte, und dem die Arbeit durch eine Krankheit nun zu viel wurde. Herr Timmermann führte 1977 nach Herrn Kiehns Tod kommissarisch den Bezirksverein weiter, wobei er sich auf das Notwendigste beschränkte, weil eine schwere Krankheit in ihm steckte.
Bald nach Herrn Kiehns Tod hatte der Kreisvorsitzende, Hermann Harms, Frau Erika Kleindienst aus Schnakenbek gefragt, ob sie nicht die Leitung des Bezirksvereins übernehmen wolle. Sie lehnte ab, zumindest für die Zeit, in der sie noch im Schuldienst stünde. Nachdem sie am 31. 7. 1978 pensioniert wurde, fragte man bei ihr erneut an. Sie schob die Übernahme hinaus, bis Herr Hadeler, der damals als Witwer in Lauenburg lebte, energisch wurde und man sich auf eine Versammlung am 29. 11. 1978 einigte. Dabei wurde Frau Kleindienst als 1. Vorsitzende gewählt, 2. Vorsitzender wurde Erich Gramkow, Resi Hoop wurde Schriftführerin, und die Kasse übernahm Gabriele Fechner. Kleindienst versprach der Versammlung, ihre Managerin zu sein, nicht Heimatforscherin, zumal sie nicht aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg stamme. In der Wintersaison wolle sie ihnen mindestens vier Vorträge bieten und im Sommer eine Ausfahrt. Das hat sie über Jahre halten können.
Wie nötig die Neuwahl war, sah man, als schon im Januar 1979 Georg Timmermann starb. Er hatte Frau Fechner und Frau Kleindienst aber noch in die Amtsführung einweisen können. Herr Gramkow als gebürtiger Lauenburger, der in der Elbstraße aufgewachsen war und die Menschen und Verhältnisse in der Stadt kannte, hat beide oft unterstützt und beraten.
Die Ära Kleindienst in den 1980er Jahren
Bald nach Helmut Kiehns Tod hatte der Kreisvorsitzende, Hermann Harms, Erika Kleindienst aus Schnakenbek gefragt, ob sie nicht die Leitung des Bezirksvereins übernehmen wolle. Sie lehnte ab, zumindest für die Zeit, in der sie noch im Schuldienst stünde. Nachdem sie am 31. Juli 1978 pensioniert wurde, fragte man bei ihr erneut an. Sie schob die Übernahme hinaus, bis Wilhelm Hadeler, der damals als Witwer in Lauenburg lebte, energisch wurde und man sich auf eine Versammlung am 29. November 1978 einigte. Dabei wurde Erika Kleindienst als 1. Vorsitzende gewählt. Sie versprach der Versammlung, ihre Managerin zu sein, nicht Heimatforscherin, zumal sie nicht aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg stammte. In der Wintersaison wollte sie mindestens vier Vorträge bieten und im Sommer eine Ausfahrt. 2. Vorsitzender wurde Erich Gramkow, Resi Hoop wurde Schriftführerin, und die Kasse übernahm Gabriele Fechner.
Wie nötig die Neuwahl war, sah man, als schon im Januar 1979 Georg Timmermann starb. Er hatte Fechner und Kleindienst aber noch in die Amtsführung einweisen können. Erich Gramkow als gebürtiger Lauenburger, der in der Elbstraße aufgewachsen war und die Menschen und Verhältnisse in der Stadt kannte, hat beide oft unterstützt und beraten.
Die Anzahl der Vorträge wurde von Jahr zu Jahr mehr, Museumsbesichtigungen kamen hinzu. In jedem Jahr machte der Verein im Sommer einen Halbtagesausflug. Er erfreute sich solcher Beliebtheit, dass man seit 1983 zwei dieser Studienfahrten in einem Sommer unternahm. Sie standen immer unter der Leitung von dem Lauenburger Museumsleiter Jacob Kron und wurden oft durch Vorträge ergänzt.
Erich Gramkow übernahm die Vereinsarbeit, als Frau Kleindienst 1981 durch den plötzlichen Tod ihres Mannes unfähig dazu war, und führte sie später zu aktiver Vereinsarbeit zurück. Frau Hoop gab im Herbst 1980 ihren Posten als Schriftführerin auf. Weil sich keiner fand, übernahm Frau Kleindienst diese Arbeit. In der Januarsitzung 1982 legte Herr Gramkow aus Gesundheitsgründen sein Amt nieder, blieb aber als Pressewart und Berater bis zu seinem Tod 1985 erhalten. Georg Block wurde der neue 2. Vorsitzende. Er blieb es bis zur Neuwahl des Vorstandes im November 1982, wählte dann aber lieber die Arbeit als Kassenwart, da Gabriele Fechner aus persönlichen Gründen ihr Amt abgab. Gotthard Lüders wurde 2. Vorsitzender. Den Vorsitz behielt Erika Kleindienst weiterhin und auch den Posten des Schriftführers. Inzwischen war die Mitgliederzahl von 67 auf 108 angewachsen. 1985 starb Herr Gramkow.
Am 19. Januar 1987 war nach vier Jahren wieder die Wahl des Vorstandes. Viele erinnern sich an das genaue Datum, weil an diesem Tag an vielen Orten Schneeverwehungen waren und man von Seiten des Kreises ab 21 Uhr Fahrverbot anordnete. In Lauenburg aber war es mit dem Schnee erträglich, so dass ausreichend Mitglieder für die Wahl gekommen waren. Gotthard Lüders, der die 1. Vorsitzende in den vier Jahren als 2. Vorsitzender mit seinem Wissen und seinem großen Interesse für die Heimatgeschichte unterstützt hatte, musste seinen Posten aus Gesundheitsgründen abgeben.
Eva Marunowski stellte sich als einzige für diese Arbeit zur Verfügung. Herr Block blieb Kassenwart. Die beiden während der vorigen Wahlperiode eingesetzten Beisitzer, Gerda Schulz und Friedrich Böckmann, behielten ihre Posten, und Herr Lüders trat als dritter Beisitzer hinzu. Schriftführerin wurde Irma Jersch; Erika Kleindienst blieb als 1. Vorsitzende. Ende 1986 hatte der Verein 119 Mitglieder. Leider waren auch damals viele Mitglieder schon alt, und alle wären froh, wenn ein bisschen jüngeres Blut in den Verein käme. Wohl reichlich ein Drittel der Mitglieder stammte nicht aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg, sondern aus anderen deutschen Landen.
Jetzt begann die Bezirksgruppe, Tagesfahrten zu unternehmen, die aber weniger Anklang fanden, weil manche älteren Mitglieder sich solche Anstrengungen nicht mehr zutrauen. Deshalb bedauerte der Lauenburger Verein es, dass der Gesamtverein seine Jahresfahrten aufgegeben hatte. Sie boten die Möglichkeit, die körperlich leistungsfähigeren Mitglieder zu entfernteren Zielen zu führen. Mit dem Alter der Mitglieder hängt es auch zusammen, dass Veranstaltungen am Nachmittag oft stärker besucht werden als am Abend. Im Schnitt waren es 30 Zuhörer, es sind aber auch einmal 50 gewesen. Der Rekord war 95. Seit 1981 machte die Bezirksgruppe, wie es auch Herr Kiehn tat, einen plattdeutschen Abend zusammen mit der Volkshochschule.
Zum Schluss muss noch der damalige Museumsleiter Jacob Kron erwähnt werden. Er hat als alter Wandervogel fast alle Fahrten mit seiner Vorsitzenden ausgearbeitet. Vor allem aber war er beliebt als Vortragender. Es wurde immer ein volles Haus, wenn er sprach. Er hat die lauenburgische Geschichte allen nahegebracht in Vorträgen und Ausstellungen. 7
In der Versammlung Anfang 1989 wurde Erika Kleindienst für zehn Jahre im Vorsitz mit dem Stadtwappen und einer Ehrenurkunde ausgezeichnet. Sie bekannte: „Mit Leidenschaft habe ich früher das Fach Heimatkunde gelehrt.“ 8 1989 wurde der bisher höchste Mitgliederbestand mit 139 erreicht. In einem handschriftlichen Brief erklärte Erika Kleindienst, ihren Vorsitz nach zwölf Jahren niederzulegen. Ihre Nachfolgerin wurde Eva Marunowski. 9
Autorin: Erika Kleindienst. Abgedruckt in „Lauenburgische Heimat“ 118, Oktober 1987, Seiten 98 - 104 mit Ergänzungen.
Von Marunowski zu Schwirz
Eva Marunowski führte den Verein eine knappe Amtsperiode vom 9. Oktober 1990 bis 1992. 10 Ihr folgte Günter Schwirz. Im Stadtarchiv finden sich zahlreiche Einladungen zu den Veranstaltungen des Vereins, meistens war es jeden Monat eine. Sein Schwerpunkt war das Mittelalter. So berichtete Schwirz über „Welfenherzog Heinrich der Löwe“ und „Kaiser Friedrich II.“. Im Mai 1994 organisierte er eine 5-tägige Fahrt zu „Fontane“ in die Mark Brandenburg und nach Potsdam.
Das Vorstandsmitglied Eckhard Tohde (1928 – 2018) schrieb einen Brief an die Bürgervorsteherin, den Magistrat und den Bürgermeister am 20. Februar 1995. Ihm fügte er ein Exposé mit 16 Seiten zum Eigentumserwerb des „altehrwürdigen Residenzschlosses der Askanier“ mit der Überschrift „Kein Geld für Lauenburgs Zukunft“ bei. Er sah das Problem nicht im fehlenden Geld, sondern im fehlenden Verständnis für die Schlossberg-Situation. Er beklagte die fehlenden Antworten aus der Kommunalpolitik. Anlass war die Auflösung des Amtsgerichtes zum 31. Dezember 1994. 11
Im Jahr 1997 gab es zehn Hauptveranstaltungen, davon fünf mit der Kirchengemeinde und drei mit Freien Lauenburgischen Akademie. Im selben Jahr hat der Museumsverein Boizenburg seine Partnerschaft aufgekündigt, auch wegen der schlechten Verkehrsanbindung. Die meisten Besucher waren Lauenburger. Die Zusammenkünfte begannen nachmittags um 14 Uhr ab ZOB, sie fanden wechselseitig in Lauenburg und Boizenburg statt. Frau Marunowski bemühte sich für den Verein, erklärende Hinweisschilder an alten und geschichtsträchtigen Gebäuden anzubringen, sie sei aber bei der Stadt „auf Granit gestoßen“. 12 Die Mitglieder wurden zunehmend unzufrieden. Allein 1999 traten acht Personen aus, der Stand erreichte 83. 13
(Autor: Manfred Maronde)
Der Wechsel zwischen Schwirz und von Meding
Noch zu Beginn des Jahres 2001 bezeichnete Günter Schwirz von Meding als „sehr geschätzten Heimathistoriker“. 2001 war ein erfolgreiches Jahr: Zu zehn Abendveranstaltungen wurden 371 Teilnehmer gezählt, dazu an drei Nachmittagen 87 Besucher. 14
Das Klima zwischen von Meding und Schwirz verfinsterte sich zunehmend. Von Meding beklagte, zum dritten Mal habe Schwirz ohne Abstimmung mit ihm Vortragstermine festgesetzt. Er konnte eher zufällig zwei Mal kurzfristig kommen. Aber er wolle nicht seine Zeit fremd bestimmen lassen. 15
Die Vorträge hielt von Meding meistens selbst. So behandelte er in 2004 fünf Mal die Stadtkirche Lauenburg. Er betrieb ausgiebige Nachforschungen zu alten Häusern, wobei manche Ungereimtheiten ihm aufgefallen waren, u.a. das Nordportal der Kirche (es stimme nicht mit früheren Begebenheiten überein), Hohler Weg 3 (Findorffhaus, müsste ugs. aus 3 Häusern bestanden haben), Kirchplatz 1 (angebl. früher Superintendentur), Mensinghaus, Apotheke, Kaufmannshaus, Schloss. 16 Hierüber verfasste er zwei dicke Bücher. 17
Im Jahr 2003 verzichtete Schwirz auf eine Wiederwahl, weil er sich oft im Ausland aufhielt. Für ihn sei oft seine Vertreterin Frau Marunowski gefordert. 17 Sein Nachfolger wurde Wichmann von Meding. 18
Der Umgang mit Wichmann von Meding war für den Verein und die Stadt Lauenburg von Anfang an schwierig. So gab es Streit um die Aussage, was der „Rufer“ denn wirklich rufen solle. Den Altbürgermeister Dieter Wollenberg griff er an. Dem Kassenwart Georg Block warf er vor, ihn aus dem Amt werfen zu wollen. Den Referenten dürfe er nur einen „Hungerlohn“ von 50 D-Mark bieten.
Auf dem von ihm ermittelten Jahr 1209 als Stadtgründungsdatum 20 beharrte von Meding – und überzeugte schließlich den Stadtarchivar Dr. William Boehart und dieser wiederum die Mehrheit der Stadtverordneten. Jedoch lief auch dies nicht ohne Streit ab, so dass Boehart sich dagegen verwahrte, von Meding anzugreifen. Er wies diesen jedoch darauf hin, von Meding sei Theologe – und ein Theologiestudium ist etwas anderes als ein Geschichtsstudium. Boeharts Intension sei, die Stadt von voreiligen Beschlüssen abzubringen. Er sei anders als von Meding nicht zu 100 % überzeugt. 1209 sei nicht die älteste Wurzel Lauenburgs. 21
Von Meding erklärte sich 2006 zu keiner Wiederwahl bereit. Begründung: Seine eingereichten Artikel erscheinen nicht in den gelben Heften. Er vermutete, der Redaktionsausschuss (Herren Lopau, Boehart, Bohlmann) schneidet ihn. Seine Erklärung zum Artikel von Peter Jürs wurde nicht gedruckt. 22 Das Forum wurde für eine Heftausgabe heraus genommen. Ein Artikel über die Maria-Magdalenen-Kirche ist auch nach Korrektur nicht erschienen. Ein weiterer Artikel über das Lauenburger Bürgerbuch wurde abgelehnt. … Herr von Meding deutete dies als gezielte Aktion. Er fühlte sich vom Redaktionsausschuss verdrängt. Das Verhältnis zu Herrn Lopau bezeichnete er als „fast freundschaftlich“. Mit Frau Bornefeld und Herrn Boehart pflegte er bisher gute Kontakte. 23
Redaktionsleiter Christian Lopau antwortete ihm: Er kritisiert die irrige Sichtweise auf der Jahreshauptversammlung, es bestünden lediglich Differenzen zwischen ihm als Autor und dem Redaktionsausschuss. Der Redaktionsausschuss sei keinesfalls verpflichtet, Gründe für eine Nichtveröffentlichung in der Zeitschrift anzugeben, auch anderen Autoren gegenüber. Keineswegs gehe es dem Ausschuss darum, ihn als Autor zu boykottieren. Zahlreiche Beiträge von ihm seien erschienen. Auch künftig werde man Aufsätze von ihm abdrucken, wenn der Ausschuss sie für geeignet hält. 24 25
Aus diesem Grunde möchte er nicht länger Mitglied bleiben. Die Wahl wurde abgebrochen. Den Vorsitz übernahm wieder Günter Schwirz.
(Autor: Manfred Maronde)
Mit Horst Eggert sportlich durch die 2010er Jahre
Die Bezirksgruppe Lauenburg/Elbe im Heimatbund und Geschichtsverein Herzogtum Lauenburg e.V., in der er bereits fast dreißig Jahre Mitglied war, berief ihn zum Pressewart und als 2. Vorsitzenden ab 2006. So gut vorbereitet, wählte man ihn zwei Jahre später zum 1. Vorsitzenden. Zweimal ging er für je ein Jahr in die Verlängerung, so amtierte er ein volles Jahrzehnt.
Zusammen mit seiner Frau Margit (verstorben im Sommer 2019) wurde nahezu jede Veranstaltung ein Erfolg, sei es mit plattdeutscher Sprache oder als Schauspieler. Er war immer für eine Überraschung gut. Die Mitglieder freuten sich besonders auf die Weihnachtsfeiern, sie wurden sehr persönlich gestaltet, Mitglieder machten Musik, und Margit erzählte auf Plattdeutsch Geschichten.
Überhaupt nahm Horst Eggert seine Aufgaben mit Ehrgeiz wahr, so kann die Bezirksgruppe Lauenburg als eine der aktivsten von den sieben im Kreisverein gerechnet werden. An erster Stelle soll hier die plattdeutsche Sprache genannt werden, die bei ihm ganz selbstverständlich zum Alltag gehört. Eggert ist Teil der „Launborger Plattsnacker-Runn“, die mehrmals den „Plattdütsch Harvst“ mit Liedern und Gedichten ausrichtete.
2009, zum Jubiläum „800 Jahre Lauenburg/Elbe“, stellte Eggert mit Freunden im Festumzug die Stecknitzfahrt in historischen Kostümen dar. Zwei Jahre darauf spielte man mit der Gitarrengruppe und dem „Theater aus der Tabakfabrik“ an der Palmschleuse eine (erdachte) Episode mit Salzfahrern und Schleusenwärter von vor sechshundert Jahren im Rahmen der „Tage der Industriekultur am Wasser“ dar. Schauspielerisches Talent bewies Eggert auch bei etlichen Stadtführungen, insbesondere auf Plattdeutsch, auch als Nachtwächter mit Verkleidung, Hellebarde und Laterne.
Mit dem Namen Horst Eggert verbunden bleiben noch auf Jahrzehnte die rund hundert Haustafeln, mit denen er für Touristen die Lauenburger Altstadt lebendiger machen wollte. Seit 2013 zeigen Acryl-Tafeln in Lauenburger Ziegelrot ein historisches Bild des Hauses, berichten, wer das Haus gebaut hat, wer es über die Jahrhunderte besessen hat, und wem es heute gehört. Dazu erzählte Herr Eggert eine unterhaltsame Geschichte, die das Objekt abrundet. Die grafische Gestaltung übernahm dabei Hans-Jürgen Rumpf, Eigentümer des „Alten Kaufmannshauses“ in der Elbstraße.
Alte Lauenburger Ansichten, meist aus Postkarten, die Eggerts Stellvertreter Joachim Kedziora großenteils im Internet zusammen gekauft hat, wurden über ein Jahrzehnt lang in Kalenderblättern veröffentlicht und von ihm kommentiert. Aus dem Verkauf dieser historischen Wandkalender erzielte der Verein Mehrerlöse, welche die Vereinskasse spürbar aufbesserten. Daneben hat die Bezirksgruppe 2013 bzw. 2018 drei Broschuren heraus gegeben mit Geschichten und Gedichten, die Horst Eggert mit seiner Frau Margit gesammelt hat.
Der „Tag des offenen Denkmals“ war für Horst Eggert jedes Jahr Ansporn und Verpflichtung zugleich. So wurde passend zum wechselnden Motto jeweils eine Ausstellung gestaltet und im Elbschifffahrtsmuseum gezeigt. Geforscht hat Eggert aber auch selbst: So kletterte er auf Dachböden, um „Windenanlagen in der Lauenburger Unterstadt“ zu fotografieren oder kroch in Weltkriegsbunker als „Relikte der Angst“. Rund ein Dutzend Vorträge mit Lichtbildern hielt Eggert vor versammelten Mitgliedern und Gästen selbst, organisierte dazu ungezählte Experten, die aus ihren Fachgebieten berichteten.
Horst Eggert stellte viele Kontakte her, wobei er immer seine Vorhaben gut erläuterte und nachwies: Stadtverwaltung und Stadtarchiv Lauenburg, Wasser- und Schifffahrtsamt, Hitzler-Werft, Friedhofsverwaltung, Kirchengemeinde, Fischerei-Museum in Hohnstorf, auch zu den umliegenden Dörfern, der Presse, der Partnerstadt Boizenburg sowie zum Kreisverein des Heimatbund und Geschichtsvereins. Gegenseitige Mitgliedschaften bestanden mit dem 2022 aufgelösten AAL (Arbeitsgemeinschaft Altstadt Lauenburg, dessen Restvermögen an die Bezirksgruppe Lauenburg fiel), mit ihm hat Herr Eggert Altstadtveranstaltungen durchgeführt.
Horst Eggert gelang es, die Mitgliederzahl von 69 auf 96 zu steigern. Die Mitgliederversammlung verlieh ihm die Ehrenmitgliedschaft. Von der Stadt wurde er bereits mit dem Ehrenteller für seine sportliche Leistung und 2020 mit dem „RUFER“ für seine Arbeit im Heimatbund und Geschichtsverein geehrt. Auch das Land Schleswig-Holstein hat Horst Eggert ausgezeichnet: Am 7. Dezember 2021 erhielt er mit drei weiteren Personen aus der Hand des Ministerpräsidenten die Ehrennadel.
(Autoren: Manfred Maronde und Elisabeth Dähn)
Manfred Maronde modernisiert in den 2020er Jahren
Nachdem sich – inzwischen deutlich über 80 Jahre alt – Horst Eggert jeweils nur noch für ein weiteres Jahr wählen ließ, ging die Suche nach einem Nachfolger zunächst in die Irre. Vom langjährigen Mitglied und früheren Bürgermeister Dieter Wollenberg wurde ein junger Mann ausfindig gemacht und geworben. Doch dieser tat – nichts. Herr Eggert wandte sich nach einem halben Jahr verzweifelt an die Mitglieder. Hier kam Manfred Maronde ins Spiel.
Manfred Maronde, von Beruf Bankkaufmann und Sparkassenbetriebswirt, trat bereits 1987 in den Heimatbund und Geschichtsverein ein. Er wohnte in einem Dorf im Nordkreis und trat der Bezirksgruppe Mölln bei. Seine Motivation war das Angebot von Fahrten durch Lothar Obst (1956 – 2023), der Anlass war eine Mehrtagesfahrt nach Berlin. Im Laufe der Jahre erlernte er das „Vereinshandwerk“ vom langjährigen Möllner Vorsitzenden Alfred Flögel (1924 – 2009). Wenige Jahre später zog es ihn beruflich nach Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Seine Mitgliedschaft behielt er alle Jahre bei.
2009 kam Manfred Maronde nach Lauenburg und zog zu seiner Partnerin Dr. Claudia Tanck. Letztere war in die Bezirksgruppe Geesthacht gewechselt, weil sie die Missstände in der Lauenburger Gruppe nicht länger ertragen wollte, Maronde blieb in der Möllner Gruppe. Nachdem seine vier Anträge für die Jahreshauptversammlung des Kreises im April 2017 abgeschmettert wurden, wechselten er und Frau Dr. Tanck in die Bezirksgruppe Lauenburg. Als „Zugezogener“ kandidierte er 2019 schließlich für den 2. Vorsitz, der 1. blieb drei Jahre frei. Nach seiner Wiederwahl 2022 rückte er auf Platz 1 vor und Frau Dr. Tanck auf Platz 2.
Von Anfang an machte sich Manfred Maronde auf, die Bezirksgruppe zu modernisieren. Er gestaltete einen Briefkopf und ein Beitrittsformular mit den Wappen des Kreises und der Stadt Lauenburg. Sogleich legte er einen Internet-Auftritt an, der inzwischen auf 100 Seiten angewachsen ist. Darin werden die Vorhaben wie Vorträge und Ausflüge angekündigt, aber auch Rückblick gehalten mit Jahresberichten und Ehrungen verdienter Mitglieder. Eine Datenbank befüllte er mit über 2.000 Datensätzen über alle Aufsätze in der Schriftenreihe „Lauenburgische Heimat“. Mitglieder bekommen regelmäßig einen Rundbrief mit den Vorhaben des nächsten Halbjahres, wenn möglich per E-Mail. Die Mitglieder bekommen Glückwunschkarten zu ihren Geburtstagen, gestaltet vom Fotografen Dirk Eisermann. Das Kassenwesen vereinfachte er mit dem Angebot des Beitragseinzuges, wovon mehr als die Hälfte der Mitglieder dankbar Gebrauch macht.
Bewährtes behielt Manfred Maronde jedoch bei. So werden die „gelben Hefte“ der „Lauenburgischen Heimat“ von derzeit fünf Mitgliedern in der Stadt Lauenburg und umgebenden Dörfern ausgetragen. Die Jahreshauptversammlungen und der „besinnliche Nachmittag im Advent“ um den Nikolaustag herum finden weiterhin im Hotel und Restaurant „Bellevue“ (siehe Links) statt. Vorträge wechseln dagegen örtlich innerhalb der Stadt. Dankbar wird der Raum im 1. Stock des Elbschifffahrtsmuseums (siehe Links) angenommen, den die Stadt Lauenburg (siehe Links) kostenlos zur Verfügung stellt, und neuerdings auch der Büchereisaal im Medienzentrum „Stappenbeck“ (siehe Links) . Gern angenommen wurden die meist zwei Vorträge jedes Jahr der Freien Lauenburgischen Akademie für Wissenschaft und Kultur bis zum Tode von deren Gründer und Leiter Dr. Werner Budesheim (siehe Links) Ende 2022.
Sehr beliebt sind weiterhin die vogelkundlichen Führungen mit Hans-Dieter Zerbe, bereits ein Dutzend davon führten in die nahe Umgebung Lauenburgs. Noch häufiger konnte Margot Wegner ihre Zuhörer bei ihren Lesungen im Sommer begeistern, in den letzten Jahren immer im „Himmelsgarten“ des Lauenburger Friedhofes, meistens musikalisch begleitet von Kerstin Ruff.
Nach anfänglichen Misshelligkeiten wird Manfred Maronde inzwischen auch als Mitglied im Gesamtvorstand auf Kreisebene wertgeschätzt. Seine Kandidatur zum Kreiskassenwart wurde vereitelt, dennoch gab er nicht auf. Unter dem neuen Kreisvorsitzenden Johann Stooß arbeitete er maßgeblich an der neuen Satzung mit und erstellte einen Entwurf für eine neue Finanzordnung, die 2026 in Kraft tritt. Bei der Zentralisierung der Mitgliedsverwaltung brachte er seine Datenbankkenntnisse ein in eine neue Software.
Die Bezirksgruppe Lauenburg/Elbe hat einen aktiven Vorstand, der wenigstens zweimal im Jahr tagt und sich zwischendurch per E-Mail austauscht und im Einvernehmen entscheidet. Finanziell profitiert die Bezirksgruppe von den jährlichen Heimatkalendern, die Manfred Maronde seit 2020 mit einer Auswahl alter Fotos aus der Sammlung Eggert und mit dessen Texten gestaltet – und vermarktet. So wurden für die Vereinskasse Überschüsse von 5.000 Euro erzielt. Damit konnten u.a. ein textiles Wappen vom letzten Herzog Julius Franz von 1689 im Magistratssaal restauriert, eine Vitrine für Exponate aus der stadtgeschichtlichen Sammlung im Medienzentrum „Stappenbeck“ angeschafft und der Ankauf von zwei historischen, in Lauenburg gedruckten, Bibeln aus dem 18. Jahrhundert ermöglicht werden.
(Autor: Manfred Maronde)
Anhang
| Liste der Vorsitzenden | |
Jahr | Name |
1926 – 1954 | Theodor Götze |
1954 – 1957 | Gertrud Trabert |
1957 – 1977 | Helmut Kiehn |
1978 – 1990 | Erika Kleindienst |
1990 – 1992 | Eva Marunowski |
1992 – 2003 | Günter Schwirz |
2003 – 2006 | Dr. Wichmann von Meding |
2006 – 2008 | Günter Schwirz |
2008 – 2018 | Horst Eggert |
2018 | Andreas Püst |
ab 2019 | Manfred Maronde |
Quellenhinweise
1 Internet: https://hghl.org/uber-uns/geschichte.html, abgerufen am 31. August 2026
2 Protokoll von Erika Kleindienst zum 60. Jubiläum der Vereinsgründung, abgedruckt in „Lauenburgische Heimat“ 115, Oktober 1986, Seiten 75 - 80.
3 Die drei ersten Protokolle sind mit der Gründungsurkunde verbunden. Es besteht eine maschinelle Abschrift. Stadtarchiv Lauenburg, Akte XXV 2, 8-13 Nachlass HGV, Mappe 2,11.
4 Jürgen Christian Findorff wurde bekannt als königlich-hannoverscher Moorkommissar und wirkte im Raum der Oste, Hamme, Schwinge und Wümme. Er war der Sohn des Ratstischlermeisters in Lauenburg.
5 Heute steht auf dem Gelände des Soldatenfriedhofes die katholische Kirche. Zwei große Grabplatten von hannoverschen Offizieren sind nahe dem Kircheneingang an der Umfriedungsmauer aufgestellt.
6 Beitrag „Hundert Jahre Geschichtsverein“, Sonderband 20 der Schriftenreihe „Lauenburgische Heimat“, Seite 33
7 Erika Kleindienst: „Aus dem Leben des Heimatbundes und Geschichtsvereins in der Stadt Lauenburg“, abgedruckt in „Lauenburgische Heimat“ 118, Oktober 1987, Seiten 98 - 104.
8 Lübecker Nachrichten vom 27.01.1989
9 Brief von Erika Kleindienst vom 23.01.1990
10 Brief von Alfred Flögel vom 03.11.1990
11 Brief von Eckard Tohde vom 20.02.1995
12 Handschriftl. Protokoll vom 13.01.1998
13 Kassenbericht für 1999
14 Protokoll vom 08.01.2002
15 Brief Wichmann von Meding vom 06.01.2003
16 Protokoll vom 17.02.2000
17 Internet: Deutsche Nationalbibliothek, https://portal.dnb.de/opac/simpleSearch?query=Wichmann+von+Meding
18 Protokoll vom 16.01.2001
19 Protokoll vom 14.01.2003
20 Hierzu „Lauenburgische Heimat“ Heft 181, März 2009, Seiten 3 – 15 von Prof. Eckard Opitz „800 Jahre Lauenburg? Kritische Anmerkungen zur Stadtrechtsverleihung 1209“ und Seiten 16 – 20 die Antwort von Wichmann von Meding „Eine Antwort auf Eckardt Opitz' spitze Einwürfe“
21 Briefe von Dr. William Boehart vom 10.07.2003 und 13.08.2003
22 Peter Jürs veröffentlichte in der „Lauenburgischen Heimat“ insgesamt 19 Artikel von 2000 bis 2014.
23 Protokoll vom 10.01.2006
24 Brief von Christian Lopau vom 27.01.2006
25 Von Wichmann von Meding erschienen in der „Lauenburgischen Heimat“ insgesamt 18 Artikel von 2000 bis 2021.