Schifffahrt - Heimatbund Lauenburg

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Schifffahrt

Schifffahrt in Lauenburg

Was hat Lauenburg zur Schifferstadt gemacht? Da ist einerseits die Stelle der Elbe, wo das Wasser tief genug war, damit sich Fluss- und Seeschifffahrt begegnen konnten. Andererseits mündet hier der kleine Fluss Delvenau von Norden her in die Elbe, verbunden über einen Landweg, seit 1398 über einen Kanal, mit der Stecknitz, die bei Lübeck in die Trave fließt. Dieser Wasserweg diente Jahrhunderte lang dem Salztransport von Lüneburg nach Lübeck. Salz war im Mittelalter das wichtigste Handelsgut der Hanse. Von Süden her mündet die Ilmenau, an der Lüneburg liegt, in die Elbe, aber 30 Kilometer flussabwärts. Salz, das von dort kam, musste also diese Strecke auf der Elbe gefahren werden – eine Aufgabe für die Lauenburger Elbschiffer. Der Transport von Lauenburg nach Lübeck wurde dagegen von den sog. Stecknitzfahrern übernommen, die Lübecker Bürger waren. Längere Strecken, die Elbe aufwärts z. B. bis Magdeburg oder abwärts bis ins 50 Kilometer weite Hamburg, kamen bald hinzu. Seit es Dampfschiffe gibt, also ab der Mitte des 19. Jhs., war für ein Jahrhundert der Personenverkehr zwischen Hamburg und Lauenburg sehr bedeutend, bis ihn die schnellere Eisenbahn überholte. Heute werden noch Ausflugsfahrten mit Museumsschiffen, insbes. mit dem Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ (siehe Links) und dem Dampfeisbrecher „Elbe“, unternommen.

Wo Fracht befördert wird, wird gern vom Landesherrn Zoll erhoben, so bestand bis Mitte des 19. Jh. eine Zollstelle. Der Zollhof, Elbstraße 26 a und b, legt hiervon Zeugnis ab.

Die Elbschiffer sind seit jeher eine eingeschworene Gemeinschaft. 1635, mitten im Dreißigjährigen Krieg, als in weiten Teilen Mitteleuropas große Not herrschte, viele Menschen verarmten und nach deren Tod die Mittel für ein Begräbnis fehlten, gründeten diese Lauenburger ihre Schifferbrüderschaft. Man kann sie als Lebens- oder Sterbegeld-Versicherung bezeichnen. Ihr Leitspruch: „Freunde in der Noht, gehen zwanzig auf ein Loht, sollte es aber ein harter Stand sein, so gehen hundert auf ein Quentlein.“ 1)  Heute kann jeder volljährige Mann auf Empfehlung eines „Bruders“ beitreten. Jedes Jahr im Januar findet die sog. Schipperhöge, also die „Schifferfreude“, statt. Bei geöffneter Lade werden die Beiträge eingezahlt. Die „Lustige Person“, ein Mann im bunten Flickengewand mit Ledermaske, zieht durch die Stadt und teilt Süßigkeiten an Kinder aus.

Der Schiffbau hat Lauenburg viele Jahrzehnte geprägt. Drei große Werften haben Holz- und Stahlschiffe gebaut. Von ihnen besteht weiterhin die Hitzler-Werft am Nordufer und mit ihrer markanten hellgrünen Schiffbauhalle der sog. Südwerft auf dem Dreieck hinter der Einmündung des Kanals. Im Laufe von über hundert Jahren wurden hier mehr als 800 Schiffe neu gebaut: vom Schlepper über Eisbrecher und Arbeitsschiffe hin zu Binnenschiffen und Spezialschiffen aller Art. Auch Umbauten und Reparaturen sowie die Konstruktion gehören zum Repertoire des Unternehmens im Familienbesitz. 2)

Über Schiffbau und Schifffahrt informiert das vor wenigen Jahren komplett modernisierte und erweiterte Elbschifffahrts-Museum in der Mitte der Elbstraße (siehe Links). Es zeigt eindrucksvoll die tausendjährige Entwicklung der Schifffahrt auf der Elbe vom Einbaum bis zum Tankschiff und besitzt eine einmalige Sammlung von Informationen zu Schiffstypen, Motoren, Mannschaften und Modellen. Die neue Ausstellung stellt unter dem Motto „Mensch - Modell - Maschine“ jene in den Mittelpunkt, die die Maschinen und Schiffstypen erdacht, gebaut und bedient haben. 3) Größtes Ausstellungsstück ist der Seitenraddampfer „Kaiser Wilhelm“, Baujahr 1900, der seit 1970 im Sommer elbaufwärts bis Bleckede und Hitzacker, abwärts bis in den Hamburger Hafen verkehrt.

Eine wahre Fundgrube ist das Elbschifffahrts-Archiv in der Elbstraße 141. Mit rund 8.000 Bänden der Fachbibliothek, etwa 50.000 technischen Zeichnungen namhafter deutscher Binnenschiffswerften, 5.000 Archivalien in Form von bis ins 14. Jh. zurück reichenden Urkunden sowie dem großen Fotoarchiv werden umfangreiche technikgeschichtliche Unterlagen für Wissenschaft, Universitätsstudium, Medien und interessierte Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt – und das ehrenamtlich.

Im Museum für die Elbschifffahrt sind - nach der Neueinrichtung des Hauses 2014 - zahlreiche Modelle zu sehen. Vom genauen Diorama einer Werft für Holzschiffe (auch das Herzhaus ganz links wurde nicht vergessen, zu sehen nicht in der neuen Dauerausstellung in der Elbstraße 59, sondern in der Außenstelle in der Hitzler-Werft, Eingang unter der Fußgängerbrücke) bis zu einer Vielzahl von Modellen von Dampfschiffen - das Herz jedes Modellbauers schlägt hier höher. Ja, waren früher die Schiffe aus Holz und die Männer aus Eisen, und ist es heute umgekehrt? (Abgelichtet Februar 2008, vor Umbau des Museums)

„Mensch - Modell - Maschine“: Personen in der Schifffahrt werden, mit vielen Fotos auf lebensgroßen Tafeln oder in Filmen auf etlichen Bildschirmen, bei der Arbeit sichtbar, die zahlreichen Modelle sind in raumhohen und -breiten Vitrinen gut ausgeleuchtet aufgestellt, und im Keller können die Antriebs-Maschinen jetzt mit kleinen Elektromotoren sogar wieder bewegt werden. Alles ist gut gelungen - der Besuch lohnt sich unbedingt! (Bei der Einweihung bewundert im September 2014, Maschine vor Umbau September 2011). Übrigens: Eine bauähnliche schräg liegende Dampfmaschine arbeitet im Raddampfer.
Noch eine Antriebsmaschine: In den Zwischenbau für Treppe und Lift des Elbschifffahrtsmuseums wurde ein Schiffsdieselmotor eingepasst, mit viel ehrenamtlichem Einsatz beschafft und sorgfältig konserviert vom damaligen ehrenamtlichen Museumsleiter Joachim Kedziora, dessen Lehrlingszeugnis in der Mappe am Motor zu finden ist. - (September 2014)
Oben liegt der Raddampfer Kaiser Wilhelm an der Promenade nah dem Rufer. Als echtes Fahrgastschiff hat er auch schon über hundert Jahre unter dem Kiel, der immer wieder teure Ausbesserungen verlangt. Lassen Sie sich im Sommer bis Bleckede bzw. Hitzacker treiben und genießen Sie die ruhig strömende Elbe unter sich - und staunen Sie über den unermüdlichen Antrieb. - (Im Morgenlicht Mai 2019)
Gehen wir nun an Bord. Links hat der gut hundert Jahre alte Dampfeisbrecher Elbefestgemacht, der im Sommer auf der Elbe und einmal auch die 61 Kilometer in rund zehn Stunden durch alle sieben Schleusen durch den Kanal bis Lübeck fährt und am Folgetag wieder zurück.
Besuche auf der Brücke und im Maschinenraum sind möglich! Hier sehen wir den Maschinist auf dem Eisbrecher 'Elbe' bei seiner Schweiß treibenden Arbeit am Getriebe, jeder Handgriff ist Routine. (Aufnahmen vom Juli 2012)
Wir bleiben noch bei Schiffsantrieben. Im Herbst 2013 wurde auf dem Lösch- und Ladeplatz das frisch mit Rostschutz imprägnierte Schaufelrad vom Heck des früheren Schleppers ‚Slapy aufgestellt. (Oktober 2013)
Motoren dienten nicht nur dem Schiffsantrieb, sondern am Anfang der Elektrifizierung auch der Stromerzeugung. Ab und zu öffnen Ehrenamtliche das alte E-Werk an der Palmschleuse und erklären die robuste Technik darin. (August 2011)
Wo ein Kanal ist, gibt es meist auch Schleusen. Diese heißt Palmschleuse und gehört zu den ältesten in Europa - sie lag am Südende des Stecknitzkanals, der seit 1398 (!) Lauenburg mit Lübeck verband. Auch dieses Diorama mit Postkutsche auf einer Kanalbrücke stand einst im Elbschifffahrtsmuseum - das Original am Ortsausgang Richtung Boizenburg ist einen Ausflug wert. (Foto August 2015)
Und heute? Die Binnenschifffahrt behauptet sich. Auch im Winter als Liegeplatz beliebt ist Lauenburg, hier zwei Binnentanker und ein Schüttgutfrachter.

Von den Werften hat sich nur eine gehalten - Hitzler. Ihre markante Schiffbauhalle an der Einmündung des Kanals entstand, als 1980 in einer Auftragsflaute die Arbeiter kein Schiff zu bauen hatten. (Foto: März 2010)
Nach der Arbeit zum Vergnügen. Jedes Jahr im Januar feiern die Elbschiffer die traditionelle Schipperhöge. Der wichtigste Mann ist die Lustige Person in ihrem bunten Gewand mit Ledermaske, die - von Clowns unterstützt - den Kindern Süßigkeiten schenkt. Die Schiffer (und alle sich ihnen zugehörig fühlenden Männer) ziehen lange dunkle Tuchmäntel an und setzen Zylinder auf, bevor sie im Umzug vom Schloss aus los marschieren. Dabei werden auch Schiffsmodelle auf den Schultern getragen. (Vom Schlossturm zugesehen im Januar 2011)
Alle Fotos von Manfred Maronde.
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